Nationalismus bleibt draussen

Suchen Sie den Fehler: Fanmeile in Dortmund 2006 (Foto: mkorsakov / (CC BY-NC-SA 2.0)

 

Presseerklärung der alten Pauline zum Umgang mit nationalistischen Symbolen

Alle zwei Jahre – nach jedem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft – zieht ein Mob durch die Straßen. Mit Deutschlandfahnen und den neusten Fan-Accessoires wird das Deutschlandlied gesungen. Zu dieser Siegesfeier gehören auch jüngere Dichtungen wie: „Wer nicht hüpft, der ist kein Deutscher“. Nicht nur das zeigt, dass die Grenze zwischen Fußballbegeisterung und Nationalstolz verschwimmt und nicht selten rassistische Formen annimmt. Da Spielen wir nicht mit! Nationalismus und Rassismus, sowie deren Symbole, sind in der alten Pauline nicht geduldet. Fußballfans sind Willkommen.

Am Freitag dem 22. 6. 2012 wollten einige Fans im Anschluss an das Spiel Deutschland gegen Griechenland in der alten Pauline weiterfeiern und waren verwundert über eine Tür-Politik, bei der keinerlei Kleidung in Nationalfarben geduldet ist. Dies Betrifft die Farben aller Nationalstaaten. Einige respektierten unsere Haltung und legten ihr schwarz-rot-goldenes Dekor ab, andere gingen woanders hin weiter feiern, und wieder andere begaben sich in aufgeladene Debatten.

Dennoch blieben einige Fragen offen, warum Nationalismus in der alten Pauline nicht geduldet wird. Diesen „Partypatriotismus“ bezeichnete der Bielefelder Querfront-Wissenschaftler Wilhelm Heitmeier1)2) als „gefährlicher Unsinn, ein Stück Volksverdummung“ und bekräftigte dies mit einer Studie, die den Befragten eine nationalistischere Einstellung als vor der WM 2006 bescheinigte. Nationalismus bedeutet aber, aktiv andere Menschengruppen auszugrenzen und abzuwerten: Fans mit anderen Flaggen werden verprügelt, beim Public-Viewing wird mit dem rechten ausgestreckten Arm gegrüßt und die BILD hetzt gegen Kneipen, in denen der Deutschlandhype nicht erwünscht ist.

Aber nicht nur die offensichtlich schlechten Seiten des Nationalismus lehnen wir ab. Die Nation ist ein gesellschaftliches Modell, das einen künstlichen Zusammenhalt unter den Menschen schafft. Im Kapitalismus stehen aber die Menschen in ständiger Konkurrenz zueinander. Sollen in einem Staat Verschlechterungen eingeführt werden, um wirtschaftliche Krisen aufzufangen, wird behauptet der Gürtel müsse enger geschnallt werden, damit es Deutschland besser geht. Nur hilft hierdurch der Staat nicht den Menschen, sondern dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, den Konzernen und Banken. Schwarz, Rot, Gold sowie der Bundesadler sind also Symbole eines Apparates, der Menschen zugunsten eines Systems unterdrückt. Trotz dessen tragen etliche Menschen diese Symbole mit „Stolz“, wie sie sagen. Aber worauf sind sie „Stolz“?

Der deutsche Nationalismus richtete in der Geschichte die einzigartige Grausamkeit der Shoa an. Er entstand 1848 aus einer deutschlandverherrlichen und antijudaistischen Stimmung mit den Farben Schwarz-Rot-Gold und erreichte den Gipfel der Unmenschlichkeit bis 1945 in den Farben Schwarz-Weiß-Rot, bei dem mindestens 13.000.000 Menschen systematisch getötet wurden. Dass diese Geschichte nicht „längst vorbei“ ist, zeigten vor genau 20 Jahren die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, bei dem über mehrere Tage hinweg Neo-Nazis und stolze Deutsche die Häuser von Flüchtlingsfamilien anzündeten; während hinter dem Mob Bratwurstbuden aufgebaut wurden und Staat sowie Polizei regungslos zusahen.

Die alte Pauline kritisiert diese Handlungen und verweigert daher jede Solidarität mit diesem Staat, in dem sie das zeigen nationaler Farben nicht toleriert – und auch nicht während EM/WM. Gut gelaunte FUSSBALLfans sind hier herzlich willkommen. Menschen, die das nationale Wir-Gefühl feiern wollen, sind es nicht.

Hier schreit niemand Hurra, wenn die Deutschen da sind.
Stay Out, Krauts!

 

1) Kristina Schröders Kuschelworkshop für militante Neonazis

2) Mit Nazis spielen? Das staatsfinanzierte Projekt »Dortmund den Dortmundern«

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