Train de vie / Zug des Lebens

Am Sonntag 10. November zeigt der Filmclub Brennende Bilder ab 17:00 Uhr den Film Train de vie / Zug des Lebens (Tragikkomödie von Radu Mihăileanu, Frankreich, Belgien, Niederlande, Israel, Rumänien, 1998).

Als Shlomo Rothschild 1941 die Nachricht von den vorrückenden Deutschen nach Osteuropa in sein Shtetl bringt, berichtet er wie Juden grausam erschossen oder deportiert wurden. Der Dorfrat beschließt darauf zur Rettung aller einen alten Güterzug zu kaufen und sich selbst nach Eretz Yisrael zu deportieren (siehe Trailer) …

Der Autor und Regisseur Radu Mihăileanu wurde 1958 im rumänischen Bukarest geboren. Er flüchtete 1980 vor der Diktatur Ceaușescus, studierte anschließend in Frankreich und arbeitet seitdem als Regisseur und Drehbuchautor. Sein Vater wuchs in einem der vielen osteuropäischen Shtetl auf und überlebte die Shoa weil er aus einem Arbeitslager fliehen konnte.

Mihăileanus Ziel war es nicht, die Gräueltaten der Deutschen oder einzelne Deutsche als heldenhafte Retter zu zeigen, sondern das was sie vernichtet haben: Das Leben im Shtetl, jenem Ort jüdischen Lebens in Osteuropa, das es nicht mehr gibt. Heraus kam eine vielfach preisgekrönte Tragikkomödie.

Zu diesem und anderen Filmen wurde viel diskutiert, ob man über das Menschheitsverbrechen der Deutschen überhaupt Komödien drehen darf, da sie diese Barbarei verharmlosen würden:

„Doch gerade „Zug des Lebens” zeigt etwas ganz anderes. Das französische „Train de vie” hat eine Doppelbedeutung in bezug auf den Film. Es gibt an, was tatsächlich im Film geschieht; zum anderen bedeutet der Ausdruck: Lebensstil, Lebensweise, Lebensart. Mihăileanu zeigt etwas, was ausgerottet wurde – das Leben im Shtetl, diese besondere Gemeinschaft der Juden in osteuropäischen Ländern, den jiddischen Humor, die spezielle Art und Weise, Konflikte zu lösen, auf Probleme zu reagieren und Lösungen zu finden. Die Idee, es den deutschen Verfolgern „nachzumachen” und eine Deportation vorzutäuschen, um der Vernichtung zu entgehen, gehört zu dieser speziellen Lebensart.*“

„Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss mich nicht, mein Sthetele.
Ich stieg einst in die Eisenbahn,
um weit wegzufahren.

Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss den Blick der Menschen nicht.
Denn es hält am Leben mich,
wie wunderbar verrückt sie war’n,
wie wunderbar sie war’n.”

(Lied von Schlomo, dem Narren)

* Ausführliche Filmrezension unter: http://www.follow-me-now.de/html/body_zug_des_lebens.html

Anmerkung: kostenlose Vereinsveranstaltung – Mitglied werden kann jeder, jederzeit, also einfach zur nächsten Filmvorführung vorbeikommen.

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